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Brennpunkte
Zur Situation deutscher Theater und Orchester Cottbus
Nachdem es in Cottbus nach wie vor für das künstlerische
Personal – entgegen der vom Ministerium im letzten Jahr angekündigten
Bereitschaft – keine Bewegung im Hinblick auf eine tarifliche
Lösung, die sich strukturell an dem Flächentarifvertrag
orientieren sollte, gibt, wird am Donnerstag, den 12. Mai 2011
eine Versammlung der am Hause vertretenen Gewerkschaftsmitglieder
stattfinden, in der über die weiteren Schritte diesbezüglich
beraten wird. Auch wenn das Haus selbst bereits signalisiert hat,
für die künstlerisch Beschäftigten Vereinbarungen
anzubieten, die denen für das nichtkünstlerische Personal
entsprechen, muss die grundsätzliche Frage, wie von der tariflichen
Systematik her das letzte verbliebene Mehrspartenhaus in Brandenburg
grundsätzlich perspektivisch in den Flächentarifvertrag
zurückgeführt werden kann, geklärt werden. Neubrandenburg/Neustrelitz
Die Verhandlungen für einen Haustarifvertrag für das
Theater Neubrandenburg/Neustrelitz wurden am 28.04.2011 in einem
Sondierungsgespräch aufgenommen. Es zeichnet sich eine mögliche
Lösung für einen echten Haustarifvertrag ab, der strukturell
von dem geltenden Flächentarifvertrag ausgehen soll, und bei
dem die Beschäftigten gegen entsprechenden Freizeitausgleich
auf die Zuwendung (entspricht 5,66%) verzichten. Die Laufzeit ist
bis Mitte 2012 vorgesehen, denn bis dahin soll dann auch der sich
neu formierende Großkreis Mecklenburgische Seenplatte als
einziger Gesellschafter verantwortlicher Träger der Theater
und Orchester-GmbH werden. Diese Lösung soll in der nächsten
Gesellschafterversammlung vorgestellt und die Verhandlungen im
Anschluss fortgesetzt werden. Theater Vorpommern
Die Gespräche über einen Haustarifvertrag für das
Theater Vorpommern wurden am 05. Mai 2011 in Greifswald unter Beteiligung
des gerade neu gewählten Intendanten, der sein Amt ab der
Spielzeit 2012/13 antreten wird, fortgesetzt. Der designierte Intendant
Dirk Löschner ist seit der Spielzeit 2009/10 Intendant am
Theater der Altmark, ist aber bereits jetzt für die Richtlinien
der Theaterleitung zuständig und steht als Ansprechpartner
zur Verfügung. In den vorangegangenen Gesprächen war
bereits eine mögliche Lösung für einen Haustarifvertrag
in Aussicht genommen, der neue designierte Intendant sieht hier
jedoch – gerade aus künstlerischer Sicht – noch
Korrekturbedarf. Einige beabsichtigte Stellenkürzungen sind
aus seiner Sicht im Hinblick auf die künftige Ausrichtung
nicht zu realisieren, auch in Bezug auf den veranschlagten Gästeetat
müssten Veränderungen vorgenommen werden. Er wirbt für
diese aus künstlerischer Sicht grundsätzlich wünschenswerten
und nachvollziehbaren Vorstellungen für das in der Vergangenheit
doch arg gebeutelte Haus und bittet insoweit um Vertrauensvorschuss.
Problematisch hieran ist, dass aufgrund der eingefrorenen Mittel
eine Realisierung nur durch einen weiteren Verzicht der Mitarbeiter
möglich zu sein scheint. Ein weiteres Problem ist, dass das
Land die vereinbarte Kooperation mit dem Theater Anklam als nicht
ausreichend ansieht, so dass auch noch ein Ausfall von FAG-Mitteln
zu befürchten ist. Vor dem Hintergrund dieser Voraussetzungen
müssen nun noch einmal alle bisherigen Grundlagen für
den Wirtschaftsplan des Theaters kritisch überprüft und
in einem neuen Termin in Bezug auf einen möglichen Haustarifvertrag
bewertet werden. Termin zur Fortsetzung der Verhandlungen ist bestimmt
auf den 25.05.2011. Landesbühnen Sachsen
In der letzten Ausgabe berichteten wir an dieser Stelle, dass
vor dem Hintergrund der Umwandlung der Landesbühnen in eine gemeinnützige
GmbH den Orchester-Musikern der Landesbühnen schon mal vorsorglich
per Ende Januar 2012 gekündigt worden sei. Dies war eine Fehlinformation,
vom Ministerium des Freistaates wurden wir mit einem entsprechenden
Schreiben aufgefordert, eine Richtigstellung vorzunehmen, dahingehend,
dass „bis zur Stunde weder eine Kündigung gegenüber
dem Ensemble ausgesprochen wurde, noch klar ist, ob überhaupt
ein Ensemblemitglied seinen Arbeitsplatz verlieren wird. Letzteres
ist abhängig von den nun anstehenden Verhandlungen der beiden
Orchester, deren Ergebnis durchaus eine Übernahme sämtlicher
angestellter Orchestermitglieder zum Inhalt haben könnte,
wenn eine solidarische Haltung unter den Musikern im Rahmen der
jetzt anstehenden Gespräche erzielt werden kann.“
Das Ministerium versucht dadurch offensichtlich davon abzulenken,
dass es beabsichtigt ist, die Orchester zusammenzuschrumpfen und
schiebt den Musikern selbst die Verantwortung zu, wenn Kündigungen
ausgesprochen werden sollten. Verklausuliert wird das dadurch ausgedrückt,
dass ja alle Arbeitsplätze erhalten werden könnten, wenn
die Musiker sich solidarisch zeigen – sprich: Entweder ihr
verzichtet auf Gehalt, um („solidarisch“) alle Stellen
zu finanzieren oder es wird gekündigt?!? Im Endeffekt ist
aber offensichtlich die Entscheidung getroffen, künftig nicht
mehr alle bestehenden Stellen zu finanzieren. Halle
Das Thalia Theater in Halle an der Saale ist nach monatelanger
Zitterpartie vorerst gerettet. Alle Gewerkschaften haben den Haustarifvertrag
für die Beschäftigten unterschrieben. Dieser ist seit
April in Kraft, gilt bis zum Sommer 2014 und schließt bis
2015 betriebsbedingte Kündigungen aus. Die Mitarbeiter der
Gesellschaft, zu der die Oper, die Staatskapelle, das neue Theater,
das Puppentheater und das Thalia Theater gehören, verzichten
laut Vertrag auf zehn Prozent ihrer Löhne und bekommen als
Ausgleich mehr freie Tage. Der Aufsichtsrat der Gesellschaft hatte
zunächst das Aus des Thalia Theaters beschlossen, mit Abschluss
des Haustarifvertrages können nun jedoch alle Sparten ihre
Arbeit fortsetzen. Frankfurt am Main
Kurz vor dem Abschluss stehen die Verhandlungen über einen
HTV für den Chor der Oper Frankfurt. Hier geht es allerdings
nicht um einen Vergütungsverzicht, sondern um die konkrete
Auswirkung der (Wieder-)Höherstufung in die Gagenklasse 1
a sowie die Vereinbarung einer Medienpauschale (für beides
zusammen stehen 300 Euro p.M. zur Verfügung) und die Neustrukturierung
der mit der Chorpauschale von 326 Euro abgegoltenen Leistungen.
Noch nicht abschließend geklärt sind die Anzahl der
pro Spielzeit außerhalb des regulären Probenzeitkorridors
zu leistenden „Nachstudierproben“ sowie die konkrete
juristische Einordnung dieser Detailregelungen. Hierzu wird auf
die Vorlage schriftlicher Entwürfe durch die Arbeitgeber-Seite
gewartet. |