Zur Startseite


 

 
Zur Startseite von Oper & Tanz
Aktuelles Heft
Archiv & Suche
Stellenmarkt
Oper & Tanz abonnieren
Ihr Kontakt zu Oper und Tanz
Kontakt aufnehmen
Impressum
Datenschutzerklärung

Website der VdO


 

Aktuelle Ausgabe

Editorial

Kulturpolitik
Brennpunkte
Zur Situation deutscher Theater und Orchester
Erfolgsfaktor Staatsballett
Christiane Theobald und Beatrice Knop über das Staatsballett Berlin
Ausbildungsfach Opernchor
Margot Ehrlich und Enrico Schubert über das Opernchorstudio Dresden
Aus der Masse ins Licht
Gespräch mit Regisseur Stefan Herheim über die Rolle des Chores in der Oper

Portrait
Flucht in die Innerlichkeit
Zum 150. Todestag von Louis Spohr

Berichte
Das Unsichtbare auf der Bühne
Schönbergs „Moses und Aron“ bei der RuhrTriennale
A Singing Sky in München
Sängerbilanz beim ARD-Musikwettbewerb
Ein Fest der großen Chöre
Opern-Neuheiten bei den Salzburger Festspielen
„Star Wars“ des 17. Jahrhundets
Philipp Glass Oper „Kepler“ in Linz uraufgeführt

Buch aktuell
Ingo Metzmachers Begegnungen mit der Oper
Ingo Metzmacher: Vorhang auf! Oper entdecken und erleben
Jeder ist musikalisch
Christoph Drösser: Hast du Töne? Warum wir alle musikalisch sind

VdO-Nachrichten
Nachrichten
Neue Studie zu Kulturräumen in Mecklenburg-Vorpommern – Wir gratulieren

Service
Schlagzeilen
Namen und Fakten
Stellenmarkt
Spielpläne 2009/2010
Festspielvorschau

 

Editorial

Wo werden Sie mit Sicherheit fündig, wenn Sie nach einem Wort mit 40 Buchstaben suchen? Richtig: im Amtsdeutsch! Zum Beispiel gibt es hier das schöne Wort „Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung“. Was sich hinter diesem Wortungetüm verbirgt, ist ein wesentlicher Baustein in der Umsetzung der Breitband-Initiative der Bundesregierung, die seit einigen Jahren die Neuordnung aller Funkfrequenzen in Deutschland im digitalen Zeitalter verfolgt. Vorrangiges Ziel: ab 2011 mehr Mobilfunk und mehr Breitband-Internetzugang für alle, insbesondere in schwach besiedelten Gebieten, in denen eine entsprechende Verkabelung wirtschaftlich unrentabel ist. Möglich wird das durch die „digitale Dividende“, die – untechnisch gesprochen – dadurch entsteht, dass durch die Umstellung des Rundfunks auf digitale Signaltechniken und die stufenweise Einstellung der analogen Programmverbreitung Frequenzbereiche freiwerden, die – so die derzeitige Planung – im Frühjahr 2010 versteigert werden sollen.

   

Tobias Könemann

 

Und was – neben den oben genannten durchaus unterstützenswerten Zielen – das Schöne daran ist: es bringt Geld für das geschundene Staatssäckel. Wir erinnern uns an das Jahr 2000, in dem der damalige Finanzminister Hans „im Glück“ Eichel durch die Versteigerung der neuen UMTS-Frequenzen innerhalb weniger Tage sage und schreibe 50,8 Mrd € für den Bundeshaushalt einstreichen konnte. So viel wird es diesmal nicht annähernd werden, schon weil die Frequenzvergabe mit erheblichen Auflagen hinsichtlich bestimmter Versorgungsnotwendigkeiten verbunden sein wird. Dennoch: ein spürbares Sümmchen wird´s schon sein.

Was hat das nun alles mit dem Theater zu tun? Etwa die Aussicht auf neue Finanzierungsmöglichkeiten? Nein, im Gegenteil: Es drohen Mehrkosten in dreistelliger Millionen-, für die gesamte Veranstaltungsbranche sogar in Milliardenhöhe. Ein wesentlicher Teil der „digitalen Dividende“ liegt nämlich in den UHF-Kanälen 61 bis 69. Hier pflegten bisher das Fernsehen und die Drahtlos-Mikrofonie eine friedliche Koexistenz. Klangliche Effekte und Verstärkungen durch drahtlose Mikrofonanlagen, insbesondere mit Mikroports, sind ein aus dem heutigen Theateralltag nicht hinweg zu denkendes Gestaltungsmittel. Der Betrieb dieser Anlagen aber ist durch die beabsichtigte Neuordnung, durch die diese Kanäle dem Mobilfunk zugeschlagen werden sollen, unmittelbar und massiv bedroht – obwohl er nach bisheriger Rechtslage bis 2015 als garantiert galt.

Um die Größenordnung zu verdeutlichen: In Theatern, Kongresszentren, Universitäten etc. kommen heute in Deutschland ca. 700.000 Drahtlos-Mikrofone zum Einsatz, die, wenn die Pläne uneingeschränkt umgesetzt würden, von nützlichen Kommunikationsmitteln zu Luxus-Sondermüll mutieren würden und kurzfristig kostspielig ersetzt werden müssten. Eine Beispiels-Untersuchung hat erwiesen, dass diese Ersatzbeschaffung allein für die städtischen Einrichtungen der Stadt Hannover mindestens 1,6 Millionen Euro kosten würde. Ein kleineres Drei-Sparten-Theater müsste nach Einschätzung des Deutschen Bühnenvereins mit Umrüstungskosten von 300.000 Euro rechnen, einer Summe, die viele der ohnehin schon Not leidenden Häuser in den Bankrott treiben würde. Selbst die genannten Zahlen sind vor dem Hintergrund mit Vorsicht zu genießen, dass es bislang weder marktfähige digitale Drahtlos-Mikrofone des erforderlichen Qualitäts-Standards gibt noch feststeht, welche Frequenzbereiche denn hier zukünftig zur Verfügung stehen sollen. Doch damit nicht genug: Die Bundesnetzagentur plant, für die bisher gebührenfrei zu betreibenden Drahtlos-Mikrofone eine Gebühr in Höhe von ca. 130 Euro zu erheben – pro Stück und Monat.

Zudem wäre, selbst wenn es für die Drahtlos-Mikrofonie in den bestehenden Kanälen zu einem Moratorium käme, ab 2011 mit erheblichen technischen Problemen zu rechnen: Der Mobilfunk muss mit erheblich höheren Signalstärken arbeiten als der Rundfunk, worunter die Trennschärfe der Frequenzbereiche leidet. Schon ein einziges Handy in der näheren Umgebung, das auf einem benachbarten Frequenzbereich funkt, könnte eine Theater-Aufführung empfindlich stören.

Noch ist nichts endgültig verloren. Der nächste Schritt ist die Entscheidung des Beirats der Bundesnetzagentur über das Vergabeverfahren, die im Oktober ansteht. Der Bundesrat hat immerhin in seinem Beschluss vom 12. Juni auf die Problematik der Drahtlos-Mikrofonie hingewiesen und eine Lösung angemahnt. Was bleibt, ist die Sorge, dass die Politik der Versuchung erliegt, um der (vor)schnellen Realisierung von Partikulärzielen und Gewinnerwartungen willen den Kultur- und Veranstaltungsbereich zu opfern. Um den größten Schaden abzuwenden und in einem auf die technische Forschung und Entwicklung Rücksicht nehmenden Zeitplan einen ausgewogenen Kompromiss zu finden, hat sich Ende 2008 die Initiative APWPT (Association of Professional Wireless Production Technologies) gebildet, der unter anderem der Deutsche Bühnenverein und der Verband Deutscher Tonmeister angehören. Wir wünschen ihr Erfolg!

Tobias Könemann

 

startseite aktuelle ausgabe archiv/suche abo-service kontakt zurück top

© by Oper & Tanz 2000 ff. webgestaltung: ConBrio Verlagsgesellschaft & Martin Hufner