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A Singing Sky in München

Sängerbilanz beim ARD-Musikwettbewerb · Von Eckart Rohlfs

Vor 57 Jahren gründete die Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten unter der Federführung des Bayerischen Rundfunks in München ihren Musikwettbewerb, der sich wechselnden Kategorien widmet. Er ist einer der weltweit wichtigsten Wettbewerbe, hochgeschätzt hinsichtlich seiner Kompetenz und Preisausstattung. Insgesamt 112.400 Euro, für jede Kategorie 22.500 Euro, gestückelt mit 5.000, 7.500 und 10.000 Euro. Dazu stattliche Sonderpreise, Stipendien und eine Weiterbetreuung durch nachfolgende Konzerte im Zusammenwirken mit weiteren Partnern. Allerdings bangt der Bayerische Rundfunk um die Weiterführung seines vor einigen Jahren eingeführten anschließenden ARD-Preisträger-Festivals.

 
Zweiter und dritter Preisträger: Wilhelm Schwinghammer und Falko Hönisch. Foto: Sigi Müller
 

Zweiter und dritter Preisträger: Wilhelm Schwinghammer und Falko Hönisch. Foto: Sigi Müller

 

Unter den vielen Wettbewerben für musikalischen Nachwuchs gehört der ARD-Wettbewerb zweifellos zu den anspruchvollsten. Sologesang war in den ersten vierzehn Jahren des ARD-Wettbewerbes jedes Jahr, danach zweijährlich ausgeschrieben. Ab 2003 reduzierte sich der Gesang auf einen dreijährigen Turnus. Nahezu 200 Sängerinnen und Sänger kamen bislang mit einer Siegerurkunde aus München nach Hause, darunter sind Namen wie Siegmund Nimsgern, Jessey Norman, Thomas Quasthoff, Anne Sofie von Otter, Francisco Araiza. Die Ansprüche und damit auch die Anforderungen an die Kandidaten in diesem Wettbewerb sind angesichts weltweit wachsender künstlerischer Konkurrenz nach und nach gestiegen. Waren Oper und Lied/Oratorium bislang getrennte Wertungen, so konnten die Gattungen in diesem Jahr lediglich als Schwerpunkt gewählt werden. Diesmal wurde jedoch im Finale nach Damen- und Herrenstimmen getrennt.

Der ARD-Wettbewerb dient nicht mehr dazu, eine stimmliche Begabung zu testen. Wer sich hier bewirbt, weiß, dass professionelles Niveau gefordert wird, nicht nur ein abgeschlossenes Studium, sondern praktische Erfahrung im Konzert und auf der Bühne. Das heißt, allerhöchste künstlerische Standhaftigkeit und Personalität zeigen zu können und sich bewähren bei der Vielfalt der Anforderungen. Verschiedene Stile und Epochen und unterschiedliche Werkgattungen verlangen stimmliche und dramaturgische Mobilität und das Reagieren auf variierende Stimmanforderungen entsprechend der jeweiligen Literatur. So verlangt der Schwerpunkt Konzert Lieder aus vier verschiedenen stilistischen Epochen zwischen Klassik und Gegenwart, darunter auch Schubert-Lieder, zwei Konzert- oder Oratorienarien, dazu zwei Opernarien aus Barock und Klassik. Im Schwerpunkt Oper sollen die Kandidaten zwölf Opernarien aus sechs Epochen bereithalten und dabei auch das deutsche, italienische und französische Repertoire bedenken. Dazu fünf Lieder, mindestens eines von Schubert, und zwei Oratorienarien. Zur bewusst kurzfristigen Erarbeitung erhielten alle Kandidaten die Auftragskomposition des Wettbewerbes; John Woolrich schrieb „A Singing Sky“, eine Komposition über das Singen und die Vergänglichkeit des Seins, mit der die wenigsten Kandidaten interpretatorisch etwas anzufangen verstanden. Nur einer überzeugte: Der Deutsche Falko Hönisch verstand daraus eine launische, dramatische und spannende Geschichte zu gestalten, wofür er den Sonderpreis erhielt.

Um ganz verschiedene Komponenten ginge es bei der Bewertung, betonte der Theaterwissenschaftler Jens Malte Fischer als Vorsitzender der Gesangsjury. Musikalität und Technik seien nicht die einzigen Kriterien. Wichtig sei auch, gerade beim Sänger, wie er sich dramaturgisch präsentiert. Und jede Interpretation verlange auch stilistische Anpassung an das jeweilige Werk. Addition und Mittelwerte der individuellen Bewertungen von acht Fachexperten ergeben schließlich das Urteil der Jury: Lado Ataneli (Georgien), Grace Bumbry (USA), Irwin Gage (Schweiz), Cheryl Studer (USA), Robert Tear (Großbritannien), Julie Kaufmann (USA) – sie war eigentlich überhaupt nicht zufrieden mit dem Niveau dieses Gesangswettbewerbes – sowie Konrad Jarnot (Großbritannien) – er beklagt, dass insbesondere bei Liedern die Sprachbehandlung allzu oft vernachlässigt würde.

Insgesamt 47 Sängerinnen und Sänger aus 15 Nationen listet das Programmbuch auf. Südkorea, mit neun Sängerinnen nach Deutschland (mit elf) das am stärksten vertretene Land, macht in diesem Jahr ganz besonders auf sich aufmerksam. Vier Koreanerinnen kommen ins Semifinale, drei ins Finale. Bis ins Semifinale gelangten zudem Bewerber aus Großbritannien, Mexiko und Australien. Keine der neun deutschen Damenstimmen kam über die zweite Runde hinaus.

Nur zwei Deutsche, beide Jahrgang 1977, trifft man im Finale. Begleitet vom Münchner Rundfunkorchester unter John Fiore präsentieren sie sich und überzeugen: Der Bariton Falko Hönisch, in Stuttgart, Karlsruhe und Lübeck ausgebildet, kann zu seinen bisherigen Trophäen den dritten Preis des ARD-Wettbewerbes hinzufügen. Der Oper zugewandt ist der Bass Wilhelm Schwinghammer, der den zweiten Preis gewann. Das Publikum war zwischen beiden hin- und hergerissen, folglich war die Teilung des Publikumspreises gerechtfertigt. Auf die Vergabe eines ersten Preises für die Herren hatte die Jury verzichtet. Dagegen gab es einen unumstrittenen ersten Preis für Gesang bei den Damen für die Australierin Anita Watson, die mit ihrer liebreizenden, warmen Stimme faszinierte

Das Erste sendet am Sonntag 4. Oktober in ARD-exclusiv eine Reportage über den ARD-Musikwettbewerb. Das Abschlusskonzert vom 18. September wird am 3. Oktober im Bayerischen Fernsehen gesendet. Das Fach Gesang wird im Jahr 2012 wieder Wertungskategorie beim ARD-Wettbewerb sein.

Eckhart Rohlfs


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