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Oldag verlässt das Theater Altenburg-Gera
Der Generalintendant des Theaters Altenburg-Gera, Matthias Oldag,
wird seinen Vertrag über den 31. Juli hinaus nicht verlängern.
Oldag erklärte, er sei überzeugt, dass mit Blick auf
die schwierigen nächsten Jahre ein Intendant notwendig sei,
der das Vertrauen aller Gesellschafter genieße. Dies sei
für seine Person nicht zu erwarten. Der Abschied des Intendanten
hatte sich bereits seit Längerem angedeutet. Hintergrund ist
die finanzielle Schieflage des Theaters Altenburg-Gera, das wegen
zu hoher Ausgaben ein Defizit von rund 1,8 Millionen Euro erwartete.
In einer Pressekonferenz zur kommenden Spielzeit warf Oldag auch
einen Blick auf die zurückliegenden Monate und sprach dabei
von einem „dreiköpfigen Janus“: Die künstlerische
Seite zeige ein freundliches Gesicht, so der Noch-Generalintendant.
Die „schmerzverzerrte Seite des Gesichts“ sei die Finanzkrise
des Hauses. Oldag spricht von einer „Kampagne gegen mich,
die meine Person und die gesamte künstlerische Arbeit des
Theaters in Misskredit bringen sollte“. Obwohl die ersten
Erfolge der Konsolidierung abzusehen gewesen seien, sei das Theater
und besonders er selbst scharf und boshaft kritisiert worden. Unter
die dritte Seite des Janus ordnet er schließlich den „unerwartet
positiven Verlauf“ der aktuellen Spielzeit ein. Das Zwischenergebnis
der Konsolidierungsbemühungen zeige, dass – anders als
prognostiziert – kein Defizit vorliege.
Katharina Wagner: Neue Wege
Katharina Wagner wird einen neuen „Ring“ inszenieren:
Nein, nicht den Bayreuther-Jubiläums-Ring im Jahr 2013. Hier
ist man – nach der Absage des Filmemachers Wim Wenders – nach
wie vor auf der Suche nach einem Regisseur. Zwischenzeitlich wusste
die Gerüchteküche von Verhandlungen mit Michael Haneke
zu berichten, der es mit seinem Film „Das weiße Band“ immerhin
zu einer Oscar-Nominierung geschafft hatte. Die Festspielleitung
aber dementierte Gespräche mit dem österreichischen Filmregisseur
und bezeichnete den Bericht als reine Spekulation.
Nun wurde bekannt, dass die Urenkelin des berühmten Opern-Komponisten
2012 am Teatro Colon in Buenos Aires einen auf sieben Stunden gekürzten
Ring auf die Bühne bringt, einen halben Ring sozusagen, der
dann weltweit auf Reisen gehen soll. Sakrileg oder notwendige Flexibilität?
Vielen Bühnen fehle der finanzielle Etat für einen „ganzen
Ring“, sagt Katharina Wagner. Für solche Neuerungen
sei sie immer offen. „Mutig, aber seriös“, lautet
ihre Zusammenfassung des ungewöhnlichen Projekts. Schöpfer
der gekürzten Fassung ist Cord Garben, der versicherte, die
musikalische Linie bleibe unangetastet. Aufgeführt werden
soll die Oper an einem Tag: „Wagner für Anfänger“ sähe
anders aus.
Förderpreise der Ernst von Siemens Musikstiftung
Am 24. Mai verleiht die Ernst von Siemens Musikstiftung den mit
200.000 Euro dotierten Ernst von Siemens Musikpreis an Aribert
Reimann (s. O&T, 2-11). Die drei Komponisten-Förderpreise
gehen in diesem Jahr an Steven Daverson, Hector Parra und Hans
Thomalla, deren Auftragskompositionen im Rahmen eines musikalischen
Festakts im Münchner Cuvilliés Theater uraufgeführt
werden. Die Ernst von Siemens Musikstiftung wird das Werk der Komponisten-Förderpreisträger
künftig jedes Jahr auf einer Porträt-CD vorstellen. 2011
vergibt die Stiftung insgesamt 2,5 Millionen Euro an rund 150 Projekte
weltweit, die alle einen wertvollen Beitrag zur zeitgenössischen
Musik leisten. Den größten Anteil an Förderungen
bilden Kompositionsaufträge, außerdem werden Festivals,
Konzerte, Akademien und Publikationen unterstützt.
Wir brauchen keine Quote
In der Dresdner Semperoper trafen sich
Ende März die Theater-Frauen Simone Young, Julia Jones und
Ulrike Hessler. Die Intendantin und Generalmusikdirektorin der
Hamburgischen Staatsoper,
die Chefdirigentin des Teatro Nacional de São Carlos in
Lissabon und die Intendantin der Semperoper waren sich – öffentlichkeitswirksam – einig:
Die Opernwelt braucht keine Quote. Anlass des Treffens war die
Aufführung von Mozarts Singspiel „Die Entführung
aus dem Serail“, die die Dirigentin Julia Jones leitete.
Während also die deutsche Bundesregierung derzeit eine Frauen-quote
in den Führungsetagen der DAX-Unternehmen diskutiert, halten
die drei Künstlerinnen eine solche im Theaterbereich nicht
für nötig. Vielleicht fühlen sie sich ja wohl in
einer hauptsächlich von Männern regierten Welt? Über
inhaltliche Ergebnisse des Treffens wurde nichts bekannt – eigentlich
schade! bh
Elbphilharmonie: (K)ein Ende in Sicht?
Nach Angaben der Baufirma Hochtief verzögert sich die Fertigstellung
der Elbphilharmonie Hamburg um weitere zehn Monate. Aus dem im
März von Hochtief bei der städtischen Realisierungsgesellschaft
(ReGe) vorgelegten Terminplan geht hervor, dass der Gesamtkomplex
statt im Januar 2013 erst im November 2013 übergeben werden
solle, der Große Konzertsaal bereits im Juni 2013. Strittig
ist, wer die Verzögerung verschuldet hat und von wem die dadurch
entstehenden erneuten Mehrkosten zu tragen sind. Unterdessen hat
ein neuer Untersuchungsausschuss „Elbphilharmonie“ seine
Arbeit aufgenommen, unter anderem mit dem Ziel die Kostenexplosion
und die Bauverzögerungen des Projekts aufzuklären. Hamburgs
neue Kultursenatorin Barbara Kisseler hat sich anlässlich
der Vorstellung der neuen Spielzeit der Elbphilharmonie Konzerte
klar zur Elbphilharmonie bekannt. In zehn Jahren werde kein Mensch
mehr danach fragen, was der Bau gekostet habe, sagte Kisseler.
Stattdessen werde das noch im Bau befindliche Konzerthaus sowohl
inhaltlich als auch architektonisch ein Wahrzeichen werden und
das musikalische Leben in Hamburg entschieden fördern. Die
Senatorin bekräftigte allerdings auch ihre Kritik am Baukonzern
Hochtief: „Auf diese Art von Spielchen werden wir ganz bestimmt
nicht eingehen“, kommentierte Kisseler die angekündigte
erneute Verzögerung. Der Abschlussbericht des früheren
Untersuchungsausschusses der Bürgerschaft beziffert die Kos-ten,
die mit dem Bau der Elbphilharmonie auf den Steuerzahler zukommen,
auf mindestens 351,3 Millionen Euro.
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