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Die BR-Klangkörper und der Rechnungshof
Der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) hat in einem Sonderbericht
die organisatorische und wirtschaftliche Ausgliederung der drei
Klangkörper des Bayerischen Rundfunks empfohlen. Dazu gehören
neben dem Symphonie- und dem Rundfunkorchester auch der Rundfunkchor. „Von
ihrem ursprünglichen Auftrag, Sendungen für die Programme
des BR zu erstellen, haben sich die Klangkörper immer mehr
entfernt“, lautete die Begründung. Es sei „nicht
Aufgabe des BR, einen zunehmend als unabhängiges Konzert-orchester
fungierenden Klangkörper aus den öffentlich-rechtlichen
Rundfunkgebühren zu finanzieren“. Obwohl das Symphonieorchester,
das Rundfunkorchester und der Chor im Jahr 2004 fast 20 Prozent
des Gesamtetats des BR-Hörfunks verschlungen hätten,
trügen sie lediglich zu 1,5 Prozent zum Radioprogramm bei.
Nach Auffassung des ORH müssen die Orchester künftig
wieder stärker in die programmliche Gestaltung eingebunden
werden.
Die Bayerische Staatsregierung wies die Kritik des Rechnungshofs
als überzogen zurück. Auch aus der Rundfunkanstalt selbst
kam postwendend Protest zur Empfehlung des ORH. BR-Intendant Thomas
Gruber wies die Kritik und die Vorschläge der Rechnungsprüfer
als realitätsfremd zurück. Der Weltruf insbesondere des
Symphonieorchesters dürfe nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt
werden, sagte Gruber.
Zur Situation speziell des Rundfunkchores äußerte sich
dessen Managerin, Susanne Vongries in einem Gespräch mit „Oper&Tanz“.
Die Zahlen, auf denen die Empfehlung des Rechnungshofes basiere,
seien veraltet, erklärte sie. Im Wesentlichen sei die Periode
zwischen 1998 und 2004 untersucht worden. Seitdem habe sich aber
vieles zum Besseren entwickelt. So sei die Konzertreihe des Rundfunkchores
inzwischen ausabonniert und es gebe Wartelisten. Die Einnahmesituation
habe sich also erheblich verbessert. Darüber hinaus habe der
Rechnungshof in der Berechnung der vom Chor „geleisteten“ Sendeminuten
nur A-capella-Werke einbezogen. Die Hauptaufgabe des Chores, nämlich
die Mitwirkung bei großen Chor-Orchester-Werken, sei dabei
nicht berücksichtigt worden.
Die im Bericht zugrunde gelegte Zahl von 1.255 Sendeminuten (für
das Jahr 2004) erhöhe sich so auf 4.966, so Vongries. Diese
Gesamt-Minutenzahl wurde in der vom Rechnungshof aufgestellten
Statistik erst ab dem Jahr 2007 aufgeführt.
Wieler nach Stuttgart
Der Schweizer Regisseur Jossi Wieler soll ab der Spielzeit 2011/2012
Intendant an der Stuttgarter Staatsoper werden. Dies schlug die
Findungskommission unter der Leitung von Kunstminister Peter
Frankenberg und dem Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang
Schuster dem Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater
vor. Dieser begrüßte den Vorschlag einstimmig. Die
Wahl ist für den 5. Oktober vorgesehen. Wieler soll laut
einer Meldung des Ministeriums Regie führender Intendant
werden und der Staatsoper „ein neues künstlerisches
Profil verleihen“. Die Neubesetzung des Amts hatte zuvor
für Querelen gesorgt und Frankenberg in Bedrängnis
gebracht (s. O&T, Ausg. 4/09, S. 5).
José de Udaeta ist tot
José de Udaeta, Tänzer, Choreograf und Tanzpädagoge,
ist vier Monate nach seinem 90. Geburtstag in Spanien gestorben.
1948 startete er in Genf seine internationale Karriere. Als Choreograf
wurde er unter anderem in New York, Kopenhagen, Berlin, Salzburg
und Madrid engagiert. Seine Lehrtätigkeit begann José de
Udaeta 1957 an der Internationalen Sommerakademie des Tanzes Köln.
Später wurde er als Dozent an zahlreiche Musikhochschulen
und Tanzakademien gerufen. 1973 gründete er in Sitges/Spanien
die Internationalen Sommerkurse für Spanischen Tanz und machte
sie zur weltweit bedeutendsten Einrichtung für den Tänzernachwuchs
in allen Sparten des spanischen Tanzes.
Unklarheit in Kiel
Die Finanzierung des schleswig-holsteinischen Landestheaters ab
der Spielzeit 2010/2011 ist noch ungesichert. „Wir sind
im Gespräch mit dem Theater und seinen Trägern“,
sagte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU). Für
die laufende Spielzeit erhält das Theater 13,3 Millionen
Euro. Die Finanzierung der Spielzeit 2009/2010 sei damit „in
trockenen Tüchern“, sagte eine Regierungssprecherin.
Ab der Spielzeit 2010/2011 rechnet das Theater Carstensen zufolge „mit
großen finanziellen Problemen“. Der Ministerpräsident
kündigte an, sich auch in Zukunft dafür starkzumachen,
Theater für möglichst viele Menschen und deshalb das
Landestheater in seiner jetzigen Struktur zu erhalten.
Klarheit in Halle
Für die Staatskapelle Halle wurde ein Haustarifvertrag vereinbart,
der den Bestand der Musiker bis 2016 sichern soll. Es wurde vereinbart,
dass bis dahin keine betriebsbedingten Kündigungen im Orchester
ausgesprochen werden sollen. Mit dem Haustarifvertrag wird der
Beschluss des Stadtrates der Stadt Halle vom 26. November 2008
umgesetzt, eine langfristige Reduzierung der Staatskapelle vorzunehmen
und gleichzeitig das Orchester in die Lage zu versetzen, seinen öffentlichen
Verpflichtungen nachzukommen und die kontinuierliche künstlerische
Arbeit zu gewährleisten.
Nothilfeplan verlangt
Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände,
unterstützt die Forderung des Deutschen Bühnenvereins, über
einen Nothilfeplan des Bundes für kommunale Kultureinrichtungen
nachzudenken. Der Direktor des Bühnenvereins, Rolf Bolwin,
sagte dazu: „Wenn die Kommunen und Länder wirklich sagen:
Wir werden das so nicht mehr bezahlen können, dann brauchen
wir auch den Bund als helfende Instanz“.
Aufgrund der Wirtschaftskrise einbrechende Gewerbesteuereinnahmen,
Neu-Verschuldung von Bund und Ländern in zuvor unbekanntem
Ausmaß und die seit diesem Sommer im Grundgesetz verankerte
Schuldenbremse sind Faktoren, die auch die kommunalen Finanzen
betreffen. Besonders die Kulturausgaben werden von den Kämmerern
bei Einsparungen in den Blick genommen, weil sie so genannte freiwillige
Aufgaben der Kommunen sind. So hatte z.B. der Kölner Stadtkämmerer
vor einigen Wochen angekündigt, dass im Kulturetat der Domstadt
bis zu 30 Prozent eingespart werden müssen.
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Um
die Kultur vor einem Kahlschlag zu schützen, müssen die öffentlichen
Kulturausgaben zu einer Pflichtaufgabe der Kommunen werden. Dieses Ziel ist
aber nur mittelfristig zu erreichen. Deshalb ist die Idee des Bühnenvereins,
jetzt über einen Nothilfeplan des Bundes für kommunale Kultureinrichtungen
nachzudenken, richtig.“
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