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Weitere Verhandlungen mit Märki in Weimar
Offenbar nicht nur „Etatüberschreitungen“, sondern
auch geplante oder erwünschte Strukturveränderungen beim
Deutschen Nationaltheater waren Anlass für den Beschluss des
Weimarer Stadtrats, den Vertrag des DNT-Generalintendanten Stephan
Märki nicht über den 31. August 2010 hinaus zu verlängern.
Pläne, die Staatskapelle aus dem DNT herauszulösen und
in Erfurt anzusiedeln, liegen schon länger in der Schublade.
Erhebliche Proteste, nicht nur Thüringen-, sondern auch bundesweit,
in den Medien wie in der gesamten Kulturszene trugen dazu bei,
dass die Vertragsverhandlungen inzwischen wieder aufgenommen wurden.
Das Problem der Tarifsteigerungen im Zusammenhang mit dem Abschluss
eines Intendantenvertrags solle in diesen Verhandlungen uneingeschränkt
zum Thema gemacht und langfristig gelöst werden, hieß es
in einer Meldung des DNT. Stephan Märki ist seit September
2000 Generalintendant in Weimar.
Michael Kaufmann in Essen fristlos entlassen
Michael Kaufmann, Intendant der Philharmonie Essen, wurde vom Aufsichtsrat
der Theater- und Philharmonie GmbH fristlos gefeuert. Grund sei
die Überziehung des Etats um 1,5 Millionen Euro. Allerdings
stand der Jahresabschluss der vergangenen Spielzeit zum Zeitpunkt
der Kündigung noch aus, ebenso fehlte die Überprüfung
der Zahlen durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer.
Als Intendant hatte Kaufmann nicht nur die gesamte Bauphase der
Philharmonie begleitet, sondern das Essener Haus in den ersten
Jahren seines Bestehens durch mutige und spannende Programme
auch weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt gemacht.
Für seine Programmpolitik erhielt er mehrere Preise. Lautstarke
Proteste aus allen Richtungen waren die Folge der Kündigung:
Sponsoren stellten die Personalentscheidung ebenso in Frage wie
zahlreiche Künstler (Kurt Masur kündigte an, nicht
mehr in Essen gastieren zu wollen) sowie Kulturpolitiker und
-verbände. Ihrem Anspruch als innovative Kulturregion – auch
mit Blick auf die „Kulturhauptstadt Europas“, die
sie sich im Jahr 2010 nennen will, – ist die Stadt Essen
mit dieser Entscheidung sicher nicht gerecht geworden, ihrem
Ruf als herausragende Kulturstadt hat die Personalquerele erheblich
geschadet.
Konzerthaus in Bochum
Für den Bau eines neuen Konzerthauses in Bochum hat der Rat
der Stadt mehrheitlich grünes Licht gegeben. Den größten
Teil der Kosten in Höhe von knapp 30 Millionen Euro soll die
Stadt übernehmen, wie ein Sprecher mitteilte. Die Stiftung
Bochumer Symphonie wolle zwölf Millionen Euro beisteuern.
Das Konzerthaus soll noch im Kulturhauptstadt-Jahr 2010 eröffnet
werden. Die Planungen für das Konzerthaus gehen auf das Jahr
1998 zurück, als Orchestermusiker und der Freundeskreis eine
Planungsstudie für ein Konzerthaus in der Bochumer Innenstadt
in Auftrag gaben. Nach derzeitigem Stand soll der erste Spatenstich
im März 2009 erfolgen.
Grosse nach Krefeld
Michael Grosse, seit 2000 Generalintendant und Geschäftsführer
der Schleswig-Holsteinischen Landestheater und Sinfonieorchester
GmbH, wird neuer Generalintendant der Vereinigten Städtischen
Bühnen Krefeld und Mönchengladbach. Der aus Ost-Berlin
stammende Theatermann soll ab der Spielzeit 2010/11 die Nachfolge
von Jens Pesel antreten. Vor seiner derzeitigen Generalintendanz
in Flensburg war Grosse Intendant des Zwei-Städte-Theaters
Altenburg/Gera. Von 1991 bis 1996 war er Intendant des Deutsch-Sorbischen
Volkstheaters Bautzen. Michael Grosse übernahm 1996 die fusionierten
Bühnen Geras und Altenburgs mit vier Sparten.
Mauricio Kagel ist tot
Mauricio Kagel, deutsch-argentinischer Komponist,
starb im September im Alter von 76 Jahren in Köln. Kagel galt als einer der geistreichsten,
sinnlichsten und originellsten Komponisten der Moderne. Er wirkte
vor allem im Bereich des Musiktheaters, er schuf Bühnen- und
Orchesterwerke, komponierte aber auch Filmmusik.
Kagel gilt als wichtiger Vertreter des „Instrumentalen Theaters“,
bei dem auch die sichtbaren Begleiterscheinungen des Musizierens
(Mimik, Gestik, Aktionen) mit einbezogen werden. Ein eindrucksvolles
Beispiel seiner Musiktheaterwerke ist „Staatstheater“,
das aufgrund von Drohbriefen unter Polizeischutz aufgeführt
werden musste. Zu seinen bekanntesten Werken zählen außerdem
das Bühnenspiel „Der Schall“ (1968) und das Orchesterwerk „Ludwig
van“ (1969). Kagel erhielt für sein Werk zahlreiche
Preise, zum Beispiel 1998 den Erasmus-Preis, 2002 den Großen
Rheinischen Kunstpreis und im Jahr 2000 den Ernst von Siemens Musikpreis.
Kagel wurde 1931 in Argentinien als Sohn einer jüdischen,
deutsch-russischen Familie geboren, die in den zwanziger Jahren
vor den Pogromen aus Russland geflohen war. Im Selbststudium und
durch privaten Unterricht erlernte er mehrere Instrumente. Nachdem
ihm der Zugang zum Konservatorium verwehrt worden war, studierte
er an der Universität von Buenos Aires Literaturwissenschaften
und Philosophie. 1957 kam Kagel auf Einladung des Akademischen
Austauschdienstes nach Deutschland, entschloss sich sogleich, längere
Zeit in Köln zu leben und blieb schließlich für
immer.
„
Für mich ist der ganze Musikbetrieb unfreiwillig komisch“,
sagte Kagel einmal, und diesem Komischen ging er auch in seinem
Werk immer wieder nach – und blieb dabei doch immer ernsthafter
Komponist. So schreibt Reinhard Schulz in der „neuen musikzeitung“: „Sein
kritischer Draufblick wird der Musikwelt fehlen“.
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